Leseprobe zum Buch Vitametik

Stress – Wirkung
auf die Muskulatur

Eine der unmittelbaren Stressreaktionen ist die Anspannung der Muskulatur. In der neueren Stressforschung spielt sie jedoch eine untergeordnete Rolle, da sich die Forscher mehr auf die Auswirkungen der Stresshormone konzentriert haben. Wie wichtig es allerdings ist, gerade diese Auswirkung von Stress zu analysieren, zeigen uns die gegenwärtigen Entwicklungen im Bereich der Volkskrankheit Nummer eins, den Rückenbeschwerden.

Wie wenig sich die Wissenschaft bislang mit der Auswirkung von Muskel- anspannung beschäftigt, ist auch an den Methoden zu erkennen, die zur Behandlung von Rückenschmerzen und anderen Problemen des Bewegungsapparates eingesetzt werden. Der Orthopädie stehen Medikamente, Gymnastik, Massagen und Chiropraktik (Einrenken) zur Verfügung. Als letzte Möglichkeit eine Operation, wobei allerdings, so haben Untersuchungen gezeigt, von 100 Patienten mehr als ein Drittel nach einer Operation noch die gleichen Schmerzsymptome haben wie zuvor. Die genannten Methoden zielen keineswegs darauf ab die Ursachen, nämlich die Muskelanspannungen, zu beheben, sondern bekämpfen nur Symptome. Auch die schulmedizinische Diagnostik scheint an einem Punkt angelangt zu sein, wo sich Kosten und Nutzen nicht mehr die Waage halten. Oft werden beispielsweise bei Patienten mit akuten Rückenschmerzen wahllos bildgebende Verfahren eingesetzt. So ist zum Beispiel bekannt, dass jedes Jahr allein über 50.000 Röntgenaufnahmen völlig unnötig sind, da sich die Ursachen auf den Bildern nicht feststellen lassen. Wie auch, wenn darauf nur Knochen zu erkennen sind, die Beschwerden aber meistens muskulär bedingt sind.

Auf einem Kongress brachte es ein Redner auf den Punkt: „Das ist ungefähr so, als würden Sie bei einem Schnupfen in den ersten zwei Wochen ein Kern- spintomogramm der Lunge anfertigen.“ Denn nur bei jedem zehnten Patienten besteht tatsächlich eine Operationsindikation und häufig wird nicht nur unnötig diagnostiziert sondern auch operiert, mit der Konsequenz, dass, Studiendaten zufolge, mehr als ein Drittel aller Bandscheibenoperationen fehlschlagen. Die logische Schlussfolgerung: Würde weniger operiert, könnten Kosten gespart werden und die Orthopäden würden wieder mehr Vertrauen in ihre Behandlung gewinnen. Denn einer weiteren Studie zufolge würde nur jeder fünfte von ihnen sich selbst an den Bandscheiben operieren lassen.

Der Mensch an sich, insofern er sich
seiner gesunden Sinne bedient,
ist selbst der größte und genaueste physikalische Apparat,
den es geben kann;
und das größte Unheil der neueren Physik ist,
dass man die Experimente gleichsam vom Menschen
abgesondert hat und bloß mit dem,
was künstliche Instrumente zeigen die Natur erkennen,
ja was sie leisten kann, dadurch beschränken und beweisen will.
Johann Wolfgang von Goethe

Stress eine weitaus größere Rolle spielen als die Wirbelsäule und die Bandscheiben. Es wird auch postuliert, dass Rückenschmerzen mit dem Übergang vom Industriezeitalter mit harter körperlicher Arbeit in die Informations- und Freizeitgesellschaft nicht abgenommen sondern dramatisch zugenommen hätten und zur kostspieligsten Krankheit in den westlichen Industrieländern geworden seien. Die Erkenntnis, dass Rückenbeschwerden mit Stress zu tun haben, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Was bleibt, ist die Orientierungslosigkeit in der Herangehensweise an die Ursachenbehebung. Denn die Experten bestätigen, dass eine Behandlung chronischer Rückenschmerzen schwierig ist, da Medikamente, Massagen und Krankengymnastik kaum Linderung bringen.
Hier setzt die Vitametik an, da sie die ursächlichen, durch Stress ausgelöste Muskelanspannungen zu beheben versucht.

Muskelanspannung
durch Stress

Nackenbereich. Studien haben diesbezüglich gezeigt, wie die genaue zeitliche Abfolge der Anspannung ist. Man ließ einen Pro- banden die Straße entlang gehen und startete direkt neben ihm plötzlich eine Fehlzündung. Folgendes ist passiert: Innerhalb von 14 Tausendstel Sekunden ziehen sich die Kiefermuskeln zusammen. Unmittelbar danach, etwa 20 Tausendstel Sekunden später, folgt ein Zusammenziehen der Augen. Aber lange bevor dies geschieht, erhalten die Schulter- und Nackenmuskeln (insbeson- dere der Trapezmuskel, der mit seinen obersten Zacken an den ersten beiden Halswirbeln ansetzt) einen Nervenimpuls zum Zusammenziehen. Dadurch heben sich die Schultern und der Kopf wird nach vorne gezogen. Erst dann spannen sich durch die absteigenden Nervenimpulse auch Bauch- und Rükkenmuskeln an. Dies ist ein Reflex, der bei jeder Art von Stress bei jedem Menschen immer gleich abläuft. Heute wird uns dieser, täglich mehrmals ablaufende Rückzugsreflex zum lästigen Übel, da er uns dauernd in Anspannung hält.

Atlas trägt die Welt
 

Jeder einzelne Wirbelkörper wird von circa acht bis neun Muskeln gehalten und bewegt. Eine Ausnahme bildet der Atlas, der erste Halswirbel. Er ist nach dem griechischen Göttervater Atlas benannt, da dieser, der griechischen Mythologie zufolge, die Erdkugel auf den Schultern trägt. Unser Atlas-Wirbel spielt ebenfalls eine wichtige tragende Rolle. Er trägt unsere „Welt“, das heißt unseren fünf bis sieben Kilo schweren Kopf.

Der Atlas-Wirbel wird nicht, wie die anderen Wirbel, von acht bis neun Muskeln, sondern von sechsundzwanzig bis dreißig Muskeln gehalten und bewegt, damit er seine Aufgabe, die Feineinstellung und Justierung (Ausrichtung) des Kopfes, erfüllen kann, außerdem weicht seine „Bauart“ von der der anderen Wirbel ab.

Der Atlas-Wirbel ist zusammen mit dem zweiten Halswirbel, dem Dreher (Axis), für sämtliche Kopfbewegungen verantwortlich. Diese beiden sind die beweglichsten Wirbelkörper und gemeinsam mit dem siebten Halswirbel, dem Prominens (so benannt, weil er so prominent hervorsteht) auch die einzigen, die Eigennamen besitzen.

Bereits vor circa 2,5 Millionen Jahren erkämpfte sich der Homo sapiens erectus, der aufrecht gehende Mensch, seinen Platz auf der Erde. Noch früher, nämlich zwei Millionen Jahre vorher, hat sich der noch affenähnliche Australopithecus aus dem Dschungel in die Savanne gewagt, wo sowohl der aufrechte Gang, als auch gute Augen von enormer Wichtigkeit waren. Die Zweibeinigkeit erlaubte einen guten überblick und die Arme wurden frei zum Tragen. Die Devise lautete: Selber schneller und genauer sehen als gesehen zu werden. So haben sich unsere Augen zu den besten Tagsichtgeräten in Bezug auf die Farbsehfähigkeit und die Kontrastsichtfähigkeit entwickelt. Unser Auge kann circa acht Millionen Farbtüne (!) unterscheiden, so viele, wie kein anderes Lebewesen dieser Erde. Wenn wir uns jetzt vorstellen, dass für das Sehen eine sehr präzise Einstellung der Augen notwendig ist, künnen wir auch verstehen, dass diese Präzision ebenso für die Feineinstellung des Kopfes gilt. Da der Punkt unseres schärfsten Sehens sich genau in Netzhautmitte befindet, müssen die Augen exakt auf das Ziel, das wir sehen wollen, fokussiert werden, so dass die Mittelachsen der Augen und des Kopfes genau auf dieses Ziel gerichtet sind.

Um dies alles richtig bewerkstelligen zu künnen, bedarf es einer sehr fein justierbaren Muskulatur im Nackenbereich. Das ist der Hauptgrund, warum es im Vergleich zu den anderen Wirbelkürpern dreimal so viele, fein aufeinander abgestimmte, Muskeln gibt. Diese Stellmuskeln müssen überdies optimal mit Nerven versorgt werden, was über sehr gut ausgestattete Nervengeflechte funktioniert.

Homo sedens –
der sitzende Mensch

Ist es mittlerweile nicht so, dass wir uns vom Homo sapiens erectus, also vom aufrecht gehenden Menschen, zum Homo sedens, zum sitzenden Menschen entwickelt haben? Sowohl wir Erwachsene als auch unsere Kinder sitzen zu viel. Dass zu vieles und zu langes Sitzen schlecht ist, wissen wir alle.
Den Grund für dadurch ausgelüste Verspannungen kennen aber die wenigsten. Wir halten nämlich beim Sitzen den Kopf in einer vorgestreckten Stellung, in der die Kopfgelenke, vor allem Atlas und Dreher, deren Bänder und insbesondere die Nackenmuskulatur über das normale Maß hinaus ge- dehnt und strapaziert werden. Das führt zwangsläufig zu Verspannungen.
Hinzu kommt noch, dass das Gewicht des Kopfes der Menschen in den Industrieländern in den letzten 50 Jahren um circa zehn Prozent zugenommen hat, was die Sache für die Muskulatur nicht gerade erleichtert hat. Im weiteren Verlauf werden natürlich auch die Bandscheiben der Lendenwirbelsäule über das gewühnliche Maß hinaus beansprucht. Wenn beim Stehen ein Druck von hundert Prozent besteht, steigert sich dieser beim nach vorn gebeugten Sitzen gar auf bis zu 190 Prozent. Und doch wäre es falsch, deshalb immer bewegungslos und gerade zu sitzen, da dann Rückenschmerzen vorprogrammiert sind.

Bewegung für die Bandscheiben

Der Mensch, insbesondere seine Wirbelsäule, lebt von der Bewegung. Die zwischen den Wirbelkörpern liegenden Bandscheiben dienen als Stoßdämpfer und sind während des Tages ständigem Druck ausgesetzt.

Während der Nacht „saugen“ sich die Bandscheiben wie ein Schwamm mit Flüssigkeit voll und geben sie tagsüber bei Belastung wieder ab. Deshalb künnen viele, vor allem jüngere Menschen, feststellen, dass sie morgens um ein bis zwei Zentimeter grüßer sind als abends. Dieser Aufpumpmechanismus der Bandscheiben kann auch während des Tages durch längere Bewegung angeregt werden. Nie sollte man länger als einige Minuten stillsitzen. Auch bei Kindern ist dies wichtig, da bereits hier der Bewegungsmangel zu Span- nungen in der Muskulatur führt, allen voran die Ansatzpunkte der Hals- und Nackenmuskulatur.

 

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